Simon Rolfes - Karriere mit eingebautem Jobwechsel, Teil 2

Wie ist es, wenn man schon am Anfang der Karriere weiß, dass der Jobwechsel mit Mitte 30 kommen wird? Für Profifußballer führt kein Weg um den Jobwechsel mitten im Leben herum. Simon Rolfes (34) hat den Turn gerade erfolgreich gemacht.

Der zweite Teil des Interviews. Den ersten Teil findet ihr hier.

 

Lust auf das Neue entwickeln

Peter Plöger: Was beobachten Sie im Vergleich zu den Kollegen: Gehen Sie bewusster mit dem Thema Karriere um?

Simon Rolfes: Ja … teilweise mit Sicherheit. Aber auch mir ist es schwergefallen, mit der schönsten Sache, dem Fußball, aufzuhören. Wer hat das denn schon, dass er mit Anfang 30, wenn andere gerade von der Uni kommen, den Lebensabschnitt, für den er Feuer und Flamme war, endgültig beendet?

Man muss dann Lust auf das Neue entwickeln. Man muss weiter ambitioniert sein. Je einfacher man Sachen nach vorne entwickelt, desto einfacher fällt der Abschied. Viele gehen diesen Schritt nicht, weil das heißt, das man sich mit sich selbst beschäftigt. Bis dann der Trainer oder der Arzt sagt: Es geht nicht mehr. Dann sitzt man ein Jahr auf der Couch. Und das kann für einen Fußballer, der auf körperliche Höchstleistung getrimmt ist, nicht gut sein.

 

Peter Plöger: Die Leute bleiben oft lange am Alten hängen, wenn der Jobwechsel eigentlich schon vor ihnen steht ...

Simon Rolfes: Das Aktive ist oft eine so große Hürde. Man muss mal einfach machen. Häufig entwickeln sich Dinge, wenn man ganz unkompliziert herangeht. Dann hat man manchmal schon nach fünf Minuten ein Ergebnis.

 

Einfach mal machen

Peter Plöger: Genau! Man macht sich oft stundenlang Gedanken, aber im Grunde ist ein ganz pragmatischer Prozess.

Simon Rolfes: Man ist gewohnt, es sich viel zu kompliziert zu machen. Wenn ich jemand neues kennenlerne, und ich denke, mit dem könnte man gut ein Projekt machen: Adresse rausfinden, Email schreiben, herausfinden, ob es interessant ist, für ihn, das zu besprechen. Wenn nicht: okay! Man verschwendet viel zu viel Zeit, indem man nicht aktiv ist.

 

Peter Plöger: Absolut! Trotzdem ist das das Mantra, das immer gepredigt wird: Schreib einen Businessplan! Und so weiter. Das ist kontraproduktiv.

Simon Rolfes: Der Businessplan hilft, um durchzukalkulieren, wie viel ich von einem Produkt verkaufen will, damit ich mein Einkommen habe. Es geht aber um einen groben Schuss, nicht um jedes Detail. Bei dem groben Schuss hören einige Vorhaben auch gleich wieder auf, weil sie nicht funktionieren können.

Man muss aber mal irgendwann anfangen. Das Grundsätzliche muss stimmen, aber dann: Los! Man kann sowieso nicht alles durchplanen. Es gibt neue Opportunitäten, die sich ergeben, an die man nicht gedacht hat. Man muss offen sein für Dinge. Und sie dann pragmatisch angehen.

Es ist auch wichtig, dass man kommuniziert. Wenn keiner weiß, was man tun will und wie man denkt, welche Ansätze man hat, dann kommt auch keiner auf einen zu. Wenn man das aber tut in seinem Umfeld, dann fühlen sich Leute auch angesprochen. Dann entwickeln sich viele Dinge vielleicht nicht, aber andere entwickeln sich, die sind auch interessant.

 

Peter Plöger: Offen sein für Dinge, die einen auch vom Weg abbringen …?

Simon Rolfes: Nein, ich meine eher die Opportunitäten, die zum Weg passen. Die Richtung sollte schon stehen. Aber es entwickeln sich Sachen, mit denen man nicht gerechnet hat, die aber passen.

 

Eine Richtung haben

Peter Plöger: Woran merkt man, dass es passt?

Simon Rolfes: Wenn man die grundsätzliche Richtung hat – wie will man arbeiten, wo, und so weiter – merkt man, welche Sachen passen. Einiges schließt sich dann schon aus. Das heißt nicht, dass die Sachen schlecht wären.

 

Peter Plöger: Ab wann hatten Sie den Eindruck, dass Sie eine Richtung haben und die grundsätzlichen Fragen geklärt sind?

Simon Rolfes: Das hat sich entwickelt. Während meiner Karriere hat sich herausgeschält, dass ich gerne mit jungen Spielern arbeiten würde. Aus Fußballerkarrieren kann man noch viel mehr machen, indem man als Spieler deutlich langfristiger denkt. Der Fußball ist sehr auf das kurzfristige Ergebnis fixiert. Für die Spieler gilt aber, um das mal runter zu brechen: Je langfristiger er seine Karriere angeht, umso größer ist der Erfolg.

Ich selbst war am Anfang ein hochtalentierter 18jähriger. Dann bei Werder Bremen bei den Amateuren, null Bundesligasekunden, plötzlich nicht mehr hochtalentiert. Dann hab ich mich von dem Gedanken gelöst, wie viele Bundesligaeinsätze ich hatte und habe begonnen, die Dinge langfristiger anzugehen, zu gucken, was ich in einem Jahr denn können möchte, und habe darauf hin trainiert.

 

Peter Plöger: Was würden Sie sich von einem Coaching-Angebot für Profisportler am Karriereende wünschen?

Simon Rolfes: Eine individuelle Analyse. Man muss in sich selbst gehen: Was will man? Was steckt in einem? Welche Möglichkeiten gibt es schon? Welche gibt es noch nicht, für die man noch etwas tun muss?

 

Peter Plöger: Simon Rolfes, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Der Autor

Peter Plöger ist seit über einem Jahrzehnt Berufe-Entdecker, Orientierer und Autor. Er staunt darüber, dass die Freude daran immer noch wächst.

In seinen Büchern und in seinem Projekt „Why we work“ kümmert er sich darum, dass Menschen ihr Gutes Leben und ihre Gute Arbeit finden – die, die wirklich die richtige für sie ist.

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