Simon Rolfes: Karriere mit eingebautem Jobwechsel

Ein Interview mit dem Ex-Fußballprofi und Nationalspieler

 

Wie ist es, wenn man schon am Anfang der Karriere weiß, dass der Jobwechsel mit Mitte 30 kommen wird? Für Profifußballer führt kein Weg um den Jobwechsel mitten im Leben herum. Simon Rolfes (34) hat den Turn gerade erfolgreich gemacht.

Als Profispieler hat er so ziemlich alles erlebt: Von 2008 bis 2015 war er Mannschaftskapitän von Bayer 04 Leverkusen, er war Nationalspieler und Vize-Europameister 2008. Daneben hat er rechtzeitig für einen guten Anstoß seiner zweiten Laufbahn gesorgt: Rolfes hat noch während seiner Profikarriere ein Sportmanagement-Studium aufgenommen und berät nun junge Spieler mit seiner eigenen Firma „Rolfes & Elsässer – The Career Company“ (www.rolfes-elsaesser.com). Seine Aufgabe sieht er darin, die Nachwuchsspieler langfristig zu begleiten und mit ihnen schon früh die Weichen für einen erfolgreichen Beruf nach der Profikarriere zu stellen. Er gibt damit eins zu eins weiter, was er über gute Laufbahnen aus seiner eigenen Spielerpraxis weiß: „Je langfristiger ein Spieler seine Karriere angeht, umso größer ist der Erfolg“.

 

Peter Plöger: Herr Rolfes, was bedeutet Ihr Beruf für Sie?

Simon Rolfes: Im Beruf verbringt man so viel Lebenszeit. Und doch wählen die meisten einfach irgendeinen. Die Zufriedenheit fehlt dann eher. Je zufriedener man ist, desto erfolgreicher ist man aber auch. Es sei denn, man will exorbitanten Einsatz bringen. Viele machen Erfolg an der Zeit fest – Je mehr sie arbeiten, desto erfolgreicher. Das sehe ich aber nicht so. Das Entscheidende dafür, wie erfolgreich man im Beruf ist, ist die Freude an dem, was man da tut. Das Ergebnis der Tätigkeit oder die Belohnung von außen kommen noch dazu. Ich bin davon überzeugt: Wenn die Freude größer ist, wird auch die Belohnung von außen größer sein.

 

Peter Plöger: Wie haben Sie in Ihrer Profikarriere dafür gesorgt, dass Sie Freude an dem haben, was Sie tun?

Simon Rolfes: Fußball war immer mein Traum. Ich habe immer das Feuer in mir gehabt, Fußballprofi zu werden. Mein Antrieb war immer, mich zu verbessern, neue Sachen zu lernen. Das hat sich grundsätzlich nicht verändert. Als Sechsjähriger hatte ich dieselbe Freude wie später als 30jähriger. Das war die Grundlage dafür, in eine Profikarriere zu investieren.

 

Peter Plöger: Wann ist für Sie ein Level erreicht, an dem Sie merken: So habe ich es mir vorgestellt? Brauchen Sie dafür auch die Bestätigung von außen, vom Publikum, vom Trainer?

Simon Rolfes: Die Anerkennung vom Trainer oder vom Publikum tun natürlich gut. Aber oft liegt die Bestätigung auch in Dingen, die für andere überhaupt nicht wichtig erscheinen, eine Passtechnik, die ich können wollte, zum Beispiel. Wenn das auch niemand anderes merkt – Ich hatte von selbst Freude daran.

 

Peter Plöger: Jetzt am Anfang Ihrer zweiten Karriere, welche innere Motivation treibt Sie da an?

Simon Rolfes: Der Übergang ist nicht ganz so einfach, natürlich. Ich habe schon etwas gesucht, was mich innerlich antreibt. Während meiner Zeit als Kapitän in Leverkusen habe ich gemerkt, dass junge Spieler zu mir gekommen sind mit den Problemen, die sie hatten. Das hat mir zum einen selbst Freude gemacht, ihnen helfen zu können, aber es war auch schön zu sehen, dass die Spieler dankbar dafür waren. Da habe ich gemerkt, dass da ein großer Bedarf ist. Und dass ich auch gut darin bin.

 

„Ich höre da auf und es gibt kein zurück“, das ist schon hart.

Peter Plöger: Das hat sich also allmählich aufgebaut? Ihnen muss ja von vornherein klar gewesen sein, dass Ihre Karriere nach 15 Jahren enden wird. Ihr Karrierewechsel war also von vornherein eingebaut. Wann war bei Ihnen der Punkt, ab dem Sie sich mit dem Wechsel ernsthaft beschäftigt haben?

Simon Rolfes: Das war ganz klar das Jahr der Verletzung, 2010. Da stand plötzlich meine Karriere auf dem Spiel. Ich bin keiner, der gerne nur herumsitzt. Ich hab mich immer für Sachen interessiert neben dem Fußball, hab Bücher gelesen, habe mein Spektrum erweitert, ohne konkreter zu werden, ich dachte, es werden sich noch Sachen entwickeln. Damals aber kam es ganz plötzlich knüppeldick. Ich hatte 141 Bundesligaspiele am Stück gemacht, hatte das Gefühl, ich bin unverwundbar und nie verletzt. Dann hatte ich in einem Jahr drei OPs, die immer schwerwiegender wurden. Da hieß es dann: nicht mehr belastbar.

Von heute auf morgen kam die Frage auf, „Wenn du jetzt Invalide bist, was machst du denn dann?“ Werde ich Trainer? Mache ich Jugendarbeit? Ich musste die Frage nicht zu Ende denken, weil ich dann wieder spielen konnte. Aber sie war der Anstoß. Daraufhin bin ich immer weiter in die Tiefe gegangen: Was willst du machen? Parallel haben sich auch Dinge ergeben. Ich habe mich zum Beispiel immer für Finanzen interessiert. Es kamen dann immer mehr Fragen dazu: Willst du selbständig sein oder als Angestellter arbeiten? Seit 2010 war das ein kontinuierlicher Prozess, der immer mehr ins Detail ging. Es war ein Ablösungsprozess, sage ich mal. Je mehr Vorfreude aufs Neue kam, desto mehr nimmt man Abschied vom Alten. Das Alte kommt ja nicht wieder bei uns Fußballern.

 

Offen für Zufälle

Peter Plöger: Sie haben also schon einen großen Abschied in der Mitte des Lebens erlebt.

Simon Rolfes: Es ist kurios. Ich hatte schon als Vierjähriger den Traum, Fußballprofi zu werden. Dann zu sagen, „Ich höre da auf und es gibt kein zurück“, das ist schon hart.

 

Peter Plöger: Sie haben eben gesagt, es habe sich auch einiges ergeben, während Sie über das Ende nachdachten …

Simon Rolfes: Das Thema Finanzen hat mich immer interessiert. Eigentlich hätte das auch mal mein Beruf werden können. Aber als es dann der Fußball wurde, wurden Finanzen dann eben zum Hobby (lacht).

 

Peter Plöger: Dazu kam Ihre Mentoren-Rolle bei den jungen Spielern, die Sie auch nicht geplant hatten. Welche Rolle spielen Zufälle in Ihrer Karriere?

Simon Rolfes: Zufälle kommen nicht einfach so. Es kommt nicht einfach ein Spieler im Hotel an deine Zimmertür und fragt dich um Rat. Anscheinend trauen einem die Leute in bestimmten Bereichen etwas zu. Man sollte schon darauf achten, was einem zufliegt. Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen. Ich bin dafür inzwischen recht sensibilisiert.

 

Peter Plöger: Wie haben Sie es gelernt, so offen für Zufälle zu sein?

Simon Rolfes: Am Anfang der Karriere ist man sehr mit sich selbst beschäftigt. Sobald man sich selbst aber stehen hat, gehört es zum Entwicklungsprozess dazu, eine Sensibilität zu entwickeln. Man kommt im Fußball schnell in Führungspositionen – als Kapitän zum Beispiel. Dann muss man Sensibilität für andere entwickeln.

 

Peter Plöger: Ist das auch ein Gefühl für die eigenen Möglichkeiten und Potenziale?

Simon Rolfes: Ja, definitiv. Man muss da ehrlich mit sich selbst sein und aus Fehlern lernen. Das ist nicht immer einfach. Letztlich formt das aber die Persönlichkeit weiter.

 

Der zweite Teil des Interviews findet ihr hier.

 

Der Autor

Peter Plöger ist seit über einem Jahrzehnt Berufe-Entdecker, Orientierer und Autor. Er staunt darüber, dass die Freude daran immer noch wächst.

In seinen Büchern und in seinem Projekt „Why we work“ kümmert er sich darum, dass Menschen ihr Gutes Leben und ihre Gute Arbeit finden – die, die wirklich die richtige für sie ist.

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Comments: 2
  • #1

    Mario Mevert (Friday, 08 July 2016 17:22)

    Ein tolles Interview Peter! Vielen Dank dafür!

    Und vor allem tolle Ansichten und eine tolle Einstellung von Simon Rolfes! Wenn die Freude größer wird, wird auch die Belohnung größer, das sehe ich genauso und deshalb ist es aus meinem Verständnis ein super Weg und sehr wichtig, Menschen darin zu unterstützen, zu schauen, wo oder wobei sie genau diese Freude verspüren. Dann wird es auch etwas mit dem Erfolg!

    Auch das mit den Zu-Fällen finde ich super. Es fallen einem die Dinge zu, die man in seinem Innern trägt. Es ist wie eine Art Magnet. Je mehr man an seiner Freude arbeitet, desto mehr wundervolle Dinge fallen einem zu oder zieht man an...

    Simon: Alles Gute und viel Erfolg im neuen Job!

    Mario Mevert

  • #2

    Peter Plöger (Saturday, 09 July 2016 17:45)

    Lieber Mario Mevert,

    danke dir für deinen tollen Kommentar. Ich denke auch: Das hat Simon Rolfes doch gut hingekriegt! ;-)
    Die Freude an dem, was man tut, ist auch m.E. sehr wichtig, Simon Rolfes spricht mir da wirklich aus dem Herzen. Es ist nicht der einzige Faktor für eine wirklich gute Arbeit, wichtig ist, denke ich, zum Beispiel auch, etwas zu finden, das Bedeutung für mich hat oder etwas, in dem ich Potenziale erkennen kann, mich persönlich weiterzuentwickeln. Aber Freude ist ein Faktor, der immer mehr Menschen immer wichtiger geworden ist.
    Toll fand ich - genau wie du - auch, dass Simon Rolfes dem Zufall eine so große Rolle beimisst. Mir ist es selbst schon oft so gegangen: Spannende Aufträge, neue Tätigkeiten, usw. kommen von selbst und überraschen mich. Geplant ist an meiner bisherigen Laufbahn sehr wenig. Die Aufmerksamkeit für gute Gelegenheiten ist oft wichtiger als ein durchdachtes Vorhaben.
    Die Grüße kann ich Simon Rolfes bestellen. :-)
    Dir auch alles Gute!

    Peter