Wie man ein Unternehmen aus dem Moment heraus gründet Interview mit Janosch Kriesten von "Limoment"

Mit Anfang 20 ein Unternehmen gründen? Einfach mal die eigene Limonade machen, weil die andere nicht schmeckt, und sie als „Trendbrause“ unter die Leute bringen? Janosch Kriesten und drei seiner Freunde haben es getan. Seit zwei Jahren sind sie damit erfolgreich und beliefern inzwischen Dutzende Cafés, Kneipen oder Edeka-Märkte. Ich habe Janosch getroffen und er hat mir eine unfassbare Gründergeschichte voller Zufälle und guter Gelegenheiten erzählt. Mittlerweile ist Trendbrause „Limoment“, aber die entspannte Haltung der vier Gründer ist dieselbe: Sie bauen weiter an ihrem Unternehmen – Schritt für Schritt und so wie es sich gerade ergibt.

 

PP: Janosch, erzähl mal: Wie seid ihr auf den Gedanken gekommen, „Trendbrause“ zu gründen?

 

JK: Wir hatten die Möglichkeit und haben gesagt: Wir probieren das einfach mal. Im Freundeskreis. Es war eigentlich gar nicht so, dass wir ein Unternehmen gründen wollten. Wir haben am Anfang nur geringes Geld in die Hand genommen. Damit sind wir ein Risiko eingegangen, aber es war ein geschütztes Risiko. Wir haben nach einer Sicherheit gesucht und dann eine UG [die „kleine“ Form der GmbH] gegründet, damit, wenn wir Probleme kriegen, nicht privat haften. Und auch um den Kopf frei zu kriegen, Ruhe rein zu kriegen. Man macht sich am Anfang Gedanken über gewisse Sachen: Was könnte passieren, wenn ... Wenn man diese Gedanken abstellen kann, dann ist man viel freier im Kopf und reagiert ganz anders.

 

PP: Wie kriegt man diese Gedanken aus dem Kopf raus?

 

JK: Da war immer die Vorstellung bei mir, relativ schnell ein Netzwerk aufzubauen, mit dem ich schnell Unsicherheiten abstellen kann. Mittlerweile brauche ich nur zwei oder drei Anrufe zu tätigen und habe die meisten Sachen gelöst. Und das haben wir geschafft, indem wir mit sehr vielen Menschen Kontakt aufgebaut haben, den Kreis erweitert haben, geguckt haben: Wer ist in welchem Bereich unterwegs, wen kann ich für was fragen. Das bringt sehr viel Sicherheit.

 

Mein Vater zum Beispiel ist Lebensmitteltechnologe, der konnte einen Kontakt zum Lebensmittelamt herstellen. Durch den frühzeitigen Kontakt zu der Behörde haben wir viele Informationen gekriegt (was muss zum Beispiel auf ein Flaschenetikett drauf?) und wissen jetzt auch besser, wie die Behörde tickt.

 

Wir hatten Glück, dass wir früh einen Bericht im WDR bekommen haben. Dadurch haben uns Cafés und Einzelhändler angesprochen. Die haben wir dann einfach gefragt: Du erzähl mal, wie funktioniert das eigentlich bei dir? Zum Beispiel im Einzelhandel. Wie müssen wir das machen? Einmal hieß es dann: Wir probieren das mal, stellen vorne im Laden einen großen Haufen Flaschen hin, gucken uns die Verkaufszahlen an. Das ist so bis heute: Wir gucken, was funktioniert.

 

PP: Das klingt mehr wie ein großes Experiment ...

 

JK: Das ist ein Experiment, absolut. Wir haben für jede Abfüllung (inzwischen ist es die sechste) ein etwas anderes Etikett gemacht, um zu schauen, welches am besten ankommt. Das Spannende ist: Die Kunden sagen, das ist ja immer noch das selbe Etikett.

 

Das Experimentelle liegt auch darin, dass wir bestimmte Risiken im Kopf ausgeschaltet haben. Was soll uns eigentlich passieren? Das, was wir gelernt haben, ist unser Lohn, und den kann uns keiner mehr nehmen. Es ging auch nie um Geld. Jedes Mal, wenn Geld kam, haben wir überlegt: Was können wir damit jetzt für Trendbrause machen? Eine Idee war, einen Stand zu haben. Kam uns aber zu teuer vor. Gäbe es noch eine andere Möglichkeit zu investieren, mit der wir noch mehr ausprobieren können? Schließlich haben wir einen Stand zusammengebaut aus Kisten und einer alten Arbeitsplatte.

 

PP: Seid ihr mit dem Provisorium auf eine Messe gegangen?

 

JK: Auf eine Messe wollten wir am Anfang gar nicht. Da waren wir auch ein bisschen radikal. Bis der Großhändler aus Hamm, den wir schon als Partner hatten, gesagt hat: „Wollt ihr nicht mitkommen auf die Messe? Ich nehme euch mit. Ihr müsst einfach nur die Eintrittskarten kaufen. Dann kommt ihr an unseren Stand und könnt da mitmachen.“ Zack, waren wir auf der Messe, ohne großartig Geld in die Hand genommen zu haben. Einfach durch den persönlichen Kontakt, weil man sich gut versteht.

 

PP: Wie viel passiert bei euch über solche persönlichen Kontakte?

 

JK: Wenn eine Anfrage kommt wie jetzt von dir, warum soll ich mir nicht die Zeit nehmen dafür. Es kommt ja auch was zurück, warum soll ich die Zeit nicht geben? Es entwickeln sich daraus wieder neue Sachen. Nicht mit der Brechstange, sondern weil wir es einfach mal laufen lassen. Da kommen Ideen und man sagt: Ich hab eigentlich richtig Bock, die jetzt umzusetzen. Vielleicht kann man sie nicht sofort umsetzen, aber irgendwann holt man sie wieder hervor und merkt, jetzt ist sie reif und man braucht gar nicht mehr so viel Kraft reinstecken wie damals, als man die Idee ursprünglich hatte. Es braucht vielleicht einfach diese gewisse Zeit.

 

PP: Welche Fähigkeiten brauchst du dazu, um gute Gelegenheiten tatsächlich annehmen zu können, wie sie gerade kommen?

 

JK: Dieses wissbegierige Aufsaugen ist schon lange meins. Ich glaube das kommt durch meine Prägung bei den Pfadfindern. Wenn einer sagt: Das klappt nicht, dann meine ich: Lass uns das doch mal ausprobieren! Das hat sich ein bisschen verfestigt durch meine Beschäftigung in der sozialen Arbeit.

 

Außerdem habe ich einen Blick auf Menschen. Egal wie viele Leute ich kennenlerne, was ich über sie weiß, hole ich sofort wieder raus aus meinem Kopf, wenn ich sie wiedertreffe. Dadurch habe ich sofort wieder den Kontakt. Ich weiß auch sofort: Hey, den könnten wir ansprechen mit dem und dem Problem.

 

Wenn wir jemandem einen Auftrag geben, den wir bezahlen müssen, machen wir es auch schonmal so: Wir können dich nicht bezahlen, aber vielleicht gehst du eine Weile mit und sobald wir dich bezahlen können, machen wir das auch. Wir gehen transparent mit allem um: Die Situation ist so und so. Damit musst du im Moment umgehen, sonst können wir im Moment nicht mit dir zusammenarbeiten. Meistens sagen die Leute: Ist in Ordnung, wir gehen mit. Man kennt sich persönlich, man ist miteinander vertraut. Keine Ahnung, wo diese Vertrautheit herkommt, ist vielleicht auch eine persönliche Eigenschaft.

 

(Teil 2 des Interviews folgt im nächsten Blogpost.)

Der Autor

Peter Plöger ist gleichzeitig frei und Berufler.

Seine Arbeit als Berufe-Entdecker, Orientierer und Autor verfolgt er seit Jahren und staunt darüber, dass die Freude daran immer noch wächst.

In seinen Büchern und in seinem Projekt „Why we work“ kümmert er sich darum, dass Menschen ihre Gute Arbeit finden – die, die wirklich die richtige für sie ist.

 

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