Mentaler Winterschlaf – Faul sein ist nicht schlimm

Gerade kriege ich nichts auf die Kette. Ich könnte jetzt auch gut gar nichts tun. Mentaler Winterschlaf. Auf schreiben hab ich auch keinen Bock. Ich lass es.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nein, das geht natürlich nicht. Aber ehrlich: Manchmal habe ich Tage (oder noch länger, Wochen) da bin ich einfach extrem faul. Dann schiebe ich auf, wo es nur irgendwie geht, tue nur das Mindeste, vertröste alle Aufgaben, die an meinen Sofakokon klopfen auf später. Kann alles an mir vorbeigehen, ich bin grad unsichtbar! Dann fällt schonmal etwas unter den Tisch. Sogar das Foto zum Blog. Na, da ist es ja.

 

Eigentlich sollte zum Beispiel schon am letzten Montag wie gewohnt ein neuer Blogartikel erscheinen. Ist er nicht, weil ich ihn einfach wegprokrastiniert habe. Eure empörten Gesichter sehe ich vor mir. Aber so ist es: Ich war zu bequem, ihn rechtzeitig zu schreiben. Scheltet mich, bewerft mich mit Schlamm, gebt mir Tiernamen, macht, was ihr wollt, aber ich hatte einen guten Grund: Es ist Adventszeit.

 

Im Advent bin ich oft bequem. Dann zieht er sich tatsächlich über ein, zwei Wochen hin, manchmal länger, der mentale Winterschlaf. Dann fahren Motivation und Antriebe runter auf das lebensnotwendige Minimum. Die Metabolismusrate wird auf nahe null gesenkt. Das mentale Murmeltier zieht sich in seine Höhle zurück und will von Arbeit nichts mehr wissen.

 

Liegt das wirklich an der Dunkelheit? Am trüben Spätherbstwetter? Was sagen die Biorhythmusforscher dazu? Das würde mich interessieren. Ich glaube nämlich, dass es etwas mit einem natürlichen Rhythmus zu tun hat. Es kommt immer wieder jedes Jahr – mal mehr, mal weniger intensiv. Und: Es kommt nicht nur einmal im Jahr.

 

Zur Sommerferienzeit dasselbe Bild: Trägheit und Bewegungsunlust über zwei, drei Wochen hindurch. Ist es die Hitze? Glaube ich nicht, der sommerliche Winterschlaf tritt völlig unabhängig von Temperatur und Witterung auf. Ich kann dann eigentlich nur noch in Urlaub fahren. Produktive Tätigkeiten brauche ich mir gar nicht in den Kalender schreiben. Tickt da eine innere Uhr? Oder bin ich früh- bis mittelkindlich geprägt: Weil im Sommer und im Winter regelmäßig lange Ferien waren, fahre ich auch heute noch runter, wenn die Zeit wieder gekommen ist?

 

Wisst ihr was? Es ist auch wurscht. Klar habe ich ein schlechtes Gewissen dann und wann, wenn ich in den Kalender gucke, meine To-do-Liste anschaue und denke: Eigentlich müsste ich jetzt … Aber am Ende der Woche sehe ich dann, dass ich wundersamerweise doch das meiste geschafft habe von dem, was wirklich wichtig war. Dann weiß ich wieder: Stress entsteht im Kopf. Vieles von dem, was auf der Liste steht macht unnötig Druck, weil ich mir selbst vorher sage, dass ich es unbedingt jetzt erledigen muss. Es kann aber oft noch ein bisschen warten.

 

Dafür bin ich dem mentalen Winterschlaf richtig dankbar.

Er zeigt mir, dass vieles auch warten kann, ich Aufgaben in meinem Kopf dringlicher mache, als sie in Wahrheit sind, und manche Dinge sich über die Zeit auch einfach von selbst erledigen. Das Murmeltier darf ruhig zu seinem Recht kommen. Der Advent ist ohnehin schon ein Hektiker (da ziehe ich mich gerne raus). Und der Sommerurlaub ist ursprünglich dazu gedacht, runterzufahren. Das vergisst man nur schnell.

 

Die faulen Wochen sind im Grunde etwas Gutes. Ich lese zum Beispiel gerade viel. Vor kurzem war mir erst noch aufgefallen, dass ich über längere Zeit zum Lesen kaum gekommen bin. Jetzt tue ich es, dank Aufschieben und Teflon-Spielen habe ich mehr Raum dafür. Außerdem freue ich mich darauf, mal wieder einen ganzen Nachmittag lang etwas Gutes zu kochen. Hatte ich auch lange nicht mehr. Ich glaube, das letzte Mal in einem Advent.

 

Wann packt dich die Faulheit?

 

Was magst du am ehesten daran?

 

 

Der Autor

Peter Plöger ist gleichzeitig frei und Berufler.

Seine Arbeit als Berufe-Entdecker, Orientierer und Autor verfolgt er seit Jahren und staunt darüber, dass die Freude daran immer noch wächst.

In seinen Büchern und in seinem Projekt „Why we work“ kümmert er sich darum, dass Menschen ihre Gute Arbeit finden – die, die wirklich die richtige für sie ist.

 

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Kostenloses Ebook “Raus in die Gute Arbeit! Fünf Wege zu meinem besten Beruf“

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