Deine Karriere geht ab wie eine Rakete – aber anders als du denkst.

Das Thema Karriere hatten wir letzte Woche gerade. Mir gehen darüber aber gerade einige Gedanken durch den Kopf. Einige viele. Deshalb würde ich gerne noch einen davon mit euch teilen.

Im letzten Blogpost habe ich ja über das Gute Leben gesprochen und gesagt: Wenn du eine Gute Arbeit erreichen willst, musst du deine Berufslaufbahn vom Guten Leben aus denken. Heute möchte ich einen Blick darauf werfen, wie meiner Erfahrung nach Berufslaufbahnen ablaufen, die zur Guten Arbeit führen.

Die Vorstellung, die sich mit dem Begriff „Karriere“ verbindet, ist die einer Leiter oder einer Treppe mit vielen Stufen.

Man klettert eine Stufe hoch und ist wieder auf einem neuen Karriereniveau angekommen. Das passiert zum Beispiel bei einer Beförderung. Dann kommt die nächste Stufe und so weiter, bis … Ja: bis.

Bis  - was denn eigentlich?

Gute Frage, gell? Ein Ende ist bei einer Karriere gar nicht vorgesehen. Es geht immer so weiter bis man nicht mehr kann oder die Firma entscheidet, dass man jetzt zu alt ist für den Job. (Die Deutsche Bank hat für ausgeschiedene Topmanager sogar ein eigenes Bürogebäude eingerichtet, in dem sie – aller Machtinsignien beraubt – ihre letzten „aktiven“ Jahre fristen können. Jemand hat es „das Sterbehaus“ getauft. ZEIT-Artikel dazu) Da gefällt mir die Idee, mit meinen Tätigkeiten irgendwann einen Zustand erreicht zu haben, den ich meine „Gute Arbeit“ nennen kann, sehr viel besser. Humaner ist er, nebenbei bemerkt, auch.

Die Vorstellung von Stufen, die immer höher führen, geht aber ohnehin für die meisten von uns an der Realität vorbei.

Vor allem geht sie am Guten Leben vorbei.



Berufslaufbahnen haben keine Stufen. Wohl aber Entwicklungsschritte.

Wie das? Der Unterschied zwischen dem Idealbild der Karriere und der Realität der meisten Laufbahnen ist ein sehr großer. Stufen sind regelmäßig, gerade so groß, dass man sie mit einem Schritt bewältigen kann, und schon vom Sockel der Treppe aus absehbar. Das alles sind die Entwicklungsschritte einer Berufslaufbahn normalerweise nicht.

Ich stelle mir eine Laufbahn vor wie die Spur, die eine Silvesterrakete durch den Himmel zieht. Zuerst zeichnet die Rakete eine gerade Linie (sie strengt sich dabei mächtig an, muss schließlich die Schwerkraft überwinden). Lange Zeit passiert gar nichts. Dann plötzlich: Bumm! Die gerade Linie verschwindet mit einem Knall und ein Strauß neuer Linien steht am Himmel.


Was ist passiert? Ein Entwicklungsschritt. Du bist in ein neues Büro gezogen; du hast eine Weiterbildung abgeschlossen; du bist selbständig und hast ein neues Produkt gelauncht. Der neue Schritt kommt nicht unvorbereitet: Die Linie ist ja länger geworden, du hast „Strecke gemacht“. Aber das Ergebnis dieses Prozesses ist wie ein Knall, der die Rakete zum Explodieren bringt: Für eine kurzen Moment ist ein farbiger Strauß neuer Linien aufgeleuchtet. Dein Weg geht weiter auf einer dieser Linien.

Stell dir vor, der Knall setzt neue Leuchtkörper frei, kleine Raketen, die in unterschiedliche Richtungen weiterfliegen. (Es gibt ja solche sehr teuren und komplexen Feuerwerksraketen, die Leuchtkörper freisetzen, die dann wiederum in kleinen Sträußen explodieren, usw. Am Himmel sieht das dann aus wie ein bunter Baum.) Sie stehen für die neuen Möglichkeiten, die der Entwicklungsschritt dir eröffnet. Einer dieser Möglichkeiten gehst du nach. Das ist deine neue Linie (das kann natürlich auch die Richtung sein, der du bis hierhin schon gefolgt bist). Wieder wird die Linie länger, bis irgendwann wieder … Bumm! Wieder ist neue Entwicklung so lange gereift, dass sie in die Welt treten kann, wieder neue Richtungen vorzeichnet, von denen du eine nehmen wirst. Und so weiter.


Mit unregelmäßigen, plötzlichen Entwicklungsschritten

komme ich der Guten Arbeit näher.

Meine Laufbahn trifft dieses Raketenbild sehr gut. Ich habe Entwicklungsschritte gemacht, die ich nicht vorhersehen konnte. Die neuen Entwicklungsrichtungen, die sich auftaten, haben mich oft selbst überrascht. Es gab immer wieder Zeiten, die relativ ruhig waren, in denen ich auf meiner Linie weitergemacht habe. Wie lange diese Zeiten andauern würden, konnte ich im Vorhinein nur schwer sagen. Dann kam aber wieder ein „Bumm“, und ich merkte plötzlich, dass ich auf einer neuen Rakete sitze und eine neue Linie in den Himmel ziehe.

Wie auch immer ich eine Entscheidung für eine neue Richtung treffe – ich treffe sie. Ich habe ja keine Wahl, in eine Richtung gehe ich nunmal weiter. Das kann auch die Richtung sein, die ich schon kenne.


Heute habe ich mittlerweile verstanden, dass ich mich auf diese Weise meiner Guten Arbeit und meinem Guten Leben viel besser nähern kann als durch einen systematischen Karrierepfad. Denn: Wenn ich die neue Richtung clever wähle, dann tue ich es so, dass sie auf meine Gute Arbeit zeigt. Habe ich die Richtung gut getroffen, nähere ich mich also meiner Guten Arbeit immer mehr an. Habe ich sie noch nicht so gut getroffen, muss ich sie korrigieren. Das heißt: Beim nächsten Knall wechsele ich sie wieder.

So komme ich weiter – mit lauter Knalleffekten.

Dröhnen dir auch schon die Ohren? Das ist der Sound der Guten Arbeit.

 

Wie ist es mit dir? Findest du dich in dem Raketenbild wieder?

 

Der Autor

Peter Plöger ist gleichzeitig frei und Berufler.

Seine Arbeit als Berufe-Entdecker, Orientierer und Autor verfolgt er seit Jahren und staunt darüber, dass die Freude daran immer noch wächst.

In seinen Büchern und in seinem Projekt „Why we work“ kümmert er sich darum, dass Menschen ihre Gute Arbeit finden – die, die wirklich die richtige für sie ist.

 

Why we work auf Facebook

Kostenloses Ebook “Raus in die Gute Arbeit! Fünf Wege zu meinem besten Beruf“

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Comments: 1
  • #1

    Kimberly Hirano (Friday, 03 February 2017 11:16)


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