Gefunden! Der Traumjob ohne Traum – Keinen Plan und doch Gute Arbeit

So ein Traum hängt ganz schön hoch!

Soll ich euch was sagen: Ich hab nicht ein einziges Mal in meinem Leben einen Traumjob gehabt. Nie. Damit meine ich nicht: Den Beruf, den ich mir am dringendsten wünschte, habe ich nie erreicht. Ich meine: Den „Traum“ von dem Superjob, dem einen, der für immer mein Beruf sein sollte, den hatte ich gar nicht. Ich konnte meine „Berufung“ nie finden, weil ich sie überhaupt nie gesucht habe.

Trotzdem habe ich heute das sichere Gefühl, dass ich einen Beruf (genau genommen sind es mehrere) ausübe, der genau zu mir passt. Was ich mache, ist stimmig für mich. Es kommt der Idee von einem „Traumjob“, der ich nie nachgegangen bin, in fast allen Belangen so nah, wie ich es mir nur vorstellen kann.


Dennoch weiß ich nicht, was mein Traumjob ist? Das habe ich ja eben behauptet. Genau so ist es auch. Es ist mir schlicht egal, welche Vorstellung oder welchen Plan von meinem optimalen Beruf ich einmal hätte haben können oder haben sollen. Ich merke ja jetzt, dass mein Beruf stimmig ist für mich. Also: So what!

Wie das? Wieso funktioniert das? Kann ich euch sagen. Ich habe mich nie lange damit aufgehalten, erstmal einen Masterplan auszuklügeln. Bis heute – nach aller Erfahrung mit verschiedenen Berufen – bin ich der festen Überzeugung, dass es mir nichts bringt, erst einen Zustand zu erdenken, der für mich optimal wäre (aber in der fernen Zukunft liegt), um dann darauf hin zu arbeiten.


Warum ist das so?

Erstens verfolge ich viel lieber verschiedene Interessen. Parallel oder nacheinander. Das ist am ehesten mein Traum von einem erfüllten Berufsleben: in mehreren Töpfen rühren, viele spannende Dinge tun. Daraus einen gemeinsamen Fokus entwickeln, wenn ich denn unbedingt einen Fokus brauche. Und es hat sich bisher gezeigt, dass das auch am besten zu mir passt.

Zweitens weiß ich inzwischen: Ein „Traum“ ist eine Vorstellung von einem Optimum, und eine Vorstellung von einem Optimum behindert mich mehr als sie mir hilft. Zu viel damit beschäftigt zu sein, zuerst im Kopf zu entwickeln, wohin es mit mir gehen könnte, und im Herzen abzuwägen, was denn das Beste für mich sei, würde mich von dem einen abhalten, das mich bis heute sehr elegant und effektiv zu meinem Besten geführt hat: das Handeln. Ich habe viel gemacht, habe mich weiter entwickelt, habe Schritte unternommen. Und ich habe mich auf dem Weg immer wieder umgesehen, um festzuhalten, wie weit mich der letzte Schritt getragen hat, und zu prüfen, ob ich meine Richtung beibehalten oder ändern sollte.


Möchtest du ein Gutes Leben, dann darfst du vor allem eins nicht vernachlässigen: Du musst handeln.


Wenn du Ratgeber liest, Blogartikel zu „Traumjobs“ oder manche Facebook-Einträge, dann taucht regelmäßig die Aufforderung auf: „Mach dein Ding!“, „Verfolge deinen Traum!“, „Finde das Ich, das wirklich in dir steckt!“, und so weiter. Das ist im Prinzip ja auch richtig, weil es unheimlich motiviert, ein positives Bild von sich zu haben.

Auf der anderen Seite: Immer soll da irgend etwas oder irgend jemand sein, den du noch nicht gefunden hast. Es ist immer wahnsinnig wichtig, das Finden, nur wenn das erledigt ist, kannst du ein Gutes Leben erreichen. „Dein Ding“, „dein Traum“ wird eine Art Initiation: Du musst es erst im Dickicht deiner wirren Gedanken und Gefühle erjagen und sein Fell nach Hause tragen. Dann wird auch deine Suche nach dem Guten Leben Erfolg haben. Nimmst du das Fell nicht mit auf die Suche, weil du es nicht erjagen konntest, brauchst du gar nicht erst losgehen. So die Grundaussage.


Was für ein Druck! Du musst erst einen Schlüssel zum Glück haben, bevor du die Tür öffnen und richtig losleben kannst? Das klingt mir sehr nach: Du musst erst vierzig Jahre arbeiten, dann ist die Rente, und dann kannst du dein Gutes Leben haben. Lass dir nichts einreden: Die Tür gibt es gar nicht.

Das Ratgeberdeutsch kennt nur einfache Rezepte zum Guten Leben. „Dein Ding machen“ ist eins davon. Es hört sich leicht an: Hier, dein Ding, da ist es, jetzt mach den Traum endlich wahr, du kannst es! Das ist jedoch nur ein guter Rat für die wenigen Menschen, die genau wissen, was ihr Ding ist, immer eine Vorstellung von einem Optimum brauchen oder gut im Abarbeiten von Masterplänen sind. Solche Richard-Branson-Typen sind aber rar. Du bist vielleicht keiner davon.


Ihr seht: Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass Träume im Sinne von Fernzielen eine gute Rolle dabei spielen, dich bei der Stange zu halten. Die Gefahr ist, dass du dir am Anfang ein so großes und perfektes Bild machst, dass es dich davon abhält, deinen eigenen Weg zum Guten Leben zu finden. Wenn du nur noch auf das Bild schaust, verpasst du die guten Gelegenheiten in deinem Leben. Und du wirst blind für die Richtungskorrekturen, die auf dem Weg mit Sicherheit notwendig werden.

Die meisten Menschen wissen anfangs ohnehin nicht genau, was ihr Ding ist. Sie haben auch keinen großen Traum und sehen ihr Optimum höchstens in groben Umrissen. Und das ist vollkommen okay so. In dieser Frage realistisch zu sein heißt für mich, gleichzeitig auch human zu sein.

Und das sieht dann aus meiner Sicht so aus:


Wenn du Gute Arbeit und ein Gutes Leben haben willst, nützt dir ein Traum, den du nicht hast, gar nichts. Die gute Nachricht ist: Du brauchst auch keinen. Und wenn du einen hast, kannst du ganz entspannt mit ihm umgehen. Du hast schließlich keinen Vertrag unterschrieben, der dich dazu verpflichtet, deinen Traum unter allen Umständen zu erfüllen (sonst: Leben verwirkt!).

Mach dir vor allem keinen Stress damit, eine Ewigkeit angestrengt nach „deinem Ding“ zu fahnden! Mal nicht erst ein Bild von dir mit dem Titel „Mein optimales Ich“! Leg dich nicht krumm für die Suche nach einem Ideal, das am Ende doch nichts mit dem Guten Leben zu tun hat, dass dich wirklich erwartet! Lass dich nicht aufhalten vom Traumstress!


Deinem Guten Leben, deiner Guten Arbeit kommst du näher auf Erkundungstour:

handele, erfahre, beweg dich!

Leg los! Mach deine Schritte (es spielt keine Rolle, ob es „optimale“ Schritte sind). Schau ab und an, ob die Richtung noch stimmig ist. Leb dein Leben als Entdecker!

Bei mir hat es super funktioniert.


(Na, ich seh schon, darüber könnte ich noch sehr lange schreiben. Was hältst du davon, wenn ich daraus einen neuen Blogartikel mache?)


Am Schluss noch ein Link auf einen Blogbeitrag von Carina Hermann von „Um 180 Grad“, der ein ganz ähnliches Thema zum Inhalt hat:„Schmeiß den 5-Jahres-Plan in die Tonne“.

 

Welche Erfahrungen hast du mit „deinem Traum“ oder „deinem Ding“ gemacht?

Hast du das Gefühl, eins zu brauchen?

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