Planen oder Handeln?        -      Warum optimale Lösungen oft nicht die besten sind

Früher habe ich gedacht, dass es einen Königsweg, eine optimale Methode gäbe, wenn ich etwas erreichen wollte: Man stellt sich das optimale Ergebnis vor, findet heraus, welche aufeinander folgenden Schritte zu diesem Ergebnis führen, und geht sie dann einen nach dem anderen ab. Will ich für mein Studienhauptfach eine Seminararbeit schreiben, stelle ich mir das Ergebnis vor, das ich mir wünsche (Abgabe eines 20 Seiten langen Textes in genau vier Wochen), lese mir die Literatur zum Thema durch, arbeite so lange mit ihr, bis ich zu dem Thema etwas zu schreiben habe, ordne meine Gedanken und schreibe sie dann auf. Endkorrektur, fertig, abgeben.


So ein planvolles Abarbeiten von Schritten hin zu einem gewünschten Ergebnis klingt sehr rational und kontrolliert. Genau so steht es auch in den meisten Ratgebern. Manchmal funktioniert das Verfahren sogar. Oft ist das Leben aber nicht so überschaubar und kontrollierbar – dann zum Beispiel nicht, wenn es um berufliche Veränderungen geht. Wer in unserer Arbeitsgesellschaft aufgewachsen ist, versucht dennoch, möglichst viel Kontrolle zu behalten, indem er im Voraus plant, eine Art Ziel-Mittel-Kalkulation macht und den Plan dann bis zu seinem vorprogrammierten Ende durchzieht. Warum aber eine optimale Lösung suchen, wenn du einen Guten Job willst?


Optimale Lösungen sind keine guten Lösungen.

Wenn du sie anstrebst, kommst du dem Guten Job eventuell keinen Meter näher. Warum ist das so?


1.  Optimale Lösungen sind ein perfekter Anlass dazu, praktische Veränderungen aufzuschieben. Denn wann kannst du dir sicher sein, dass die vorgefassten Kriterien wirklich die richtigen sind und deine vorgefasste Lösung tatsächlich optimal ist? Kannst du das überhaupt rational entscheiden? Oder steht hinter der Entscheidung nicht vielmehr immer eine willkürliche Annahme: „Die Kriterien, die ich bis hierhin angesetzt habe, sind richtig und vollständig. Basta!“ Aber nach dem Basta finden sich immer noch neue Kriterien, die du nicht bedacht hast. „Wir warten auf den Erkenntnisblitz, während gute Gelegenheiten an uns vorüberziehen“, schreibt die Unternehmensberaterin Herminia Ibarra. Das heißt: Nimmst du das „optimal“ wörtlich, kommst du aus dem Entscheiden nicht mehr heraus.


2.      Alternativen zur optimalen Lösung, die sich auf deinem Weg anbieten, während du die nächsten Veränderungsschritte machst, sehen für dich per se ungünstiger aus als die optimale Lösung (da letztere ja bereits dein Optimum ist). Du wirst also dazu neigen, sie zu ignorieren. Ob sie gute Alternativen gewesen wären, hätten sie jedoch erst im praktischen Ausprobieren beweisen können.


3.      Es werden eventuell Alternativen auftauchen, die nach den Kriterien, die du angesetzt hast, ebenso gut oder sogar besser sind als deine optimale Lösung. Das hieße, du müsstest den ganzen Weg von Vorn beginnen und deine Handlungsalternativen neu einschätzen. Tust du das? Oder machst du auf dem gewählten Weg weiter?

(Du stehst letztlich vor der Frage: Wie sollst du am Anfang des Weges entscheiden, wenn du gar nicht entscheiden kannst? Zum Entscheiden weißt du laut Punkt 2. und 3. gar nicht genug.)


Optimale, vorgeplante Lösungen sind oft nicht die besten Voraussetzungen, wenn du deinen Beruf ändern willst. Handeln ist oft besser. In einigen der nächsten Blogbeiträge werde ich auf das Thema zurückkommen und schauen, wie wir als Jobentdecker noch handeln können, um zu einer Guten Arbeit zu kommen. Wir sollten über Jobexperimente reden, über Entscheidungskapseln und die Frage, wie man am ehesten in die Gänge kommt …

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